Thurnau, 11.03.2013: Kontaktgespräch mit Landbewirtschaftern

Alternativen zum Maisanbau, der Rückgang bei den Teichwirten und die Wildschweinproblematik standen im Mittelpunkt eines Kontaktgespräches des oberfränkischen Bezirksverbandes für Gartenbau und Landespflege mit Imkern, Jägern, Land- und Teichwirten. Es gibt viele Schnittmengen zwischen den einzelnen Landnutzern und Landbewirtschaftern", sagte die Bezirksvorsitzende Gudrun Brendel-Fischer, MdL aus Heinersreuth bei Bayreuth.

Ein Problem, das alle Verbandsspitzen in Oberfranken beklagen, ist der fehlende Nachwuchs. Nicht nur die über 500 Obst- und Gartenbauvereine unter dem Dach des Bezirksverbandes für Gartenbau und Landespflege würden darunter leiden, auch die Teichwirte, so der stellvertretende Vorsitzende der Teichgenossenschaft Oberfranken Manfred Popp. Allein im zurückliegenden Jahr sei die Zahl der in der Teichgenossenschaft zusammengeschlossenen aktiven Teichwirte, meist Landwirte im Nebenerwerb, um 60 auf 860 zurückgegangen.

Schuld daran seien die endlose Bürokratie, immer schärfere Auflagen von Seiten des amtlichen Naturschutzes sowie die hohen Kosten für Genehmigungen. Allein für einen Teichneubau würden rund 1800 Euro an Gebühren für die entsprechenden Genehmigungen fällig, so Popp. Dies stehe in keinem Verhältnis zum Ertrag, den ein Teichwirt mit seinen Fischen erzielen kann. Teiche, die nicht mehr gepflegt und bewirtschaftet werden, verändern die Kulturlandschaft. Genauso wie der Maisanbau, der nach Ansicht vieler Menschen zugenommen hat, nach Aussage der Landwirte aber gleichgeblieben, langfristig sogar rückläufig ist. Eine Alternative zum Maisanbau ist laut Dr. Pedro Gerstberger, Botaniker vom Lehrstuhl für Pflanzenökologie an der Universität Bayreuth, die Becherpflanze (Silphium perfoliatum).

Der Wissenschaftler führt seit einigen Jahren zusammen mit den Landwirtschaftlichen Lehranstalten des Bezirks Oberfranken in Bayreuth ein Pilotprojekt durch, mit dem erforscht werden soll, welche Wildpflanzen-Dauerkultur für die Biogasproduktion geeignet ist und welche Pflanzen dabei besonders als Biogassubstrat in Frage kommen. Bei der Becherpflanze sei dabei nur einmal eine Aussaat erforderlich, danach ergäbe sich mindestens eine 15-jährige Standzeit. Die Becherpflanze sei zudem weniger frostempfindlich, mache keinen Zwischenfruchtanbau erforderlich, Krankheiten oder Schädlinge seien bislang nicht bekannt und der Boden werde nur wenig verdichtet, da er nur zwei Mal pro Jahr befahren werden muss, bei der Düngung und bei der Ernte.

Wie man mit dieser Becherpflanze gleich zwei Probleme lösen könnte, wusste auch Hartmut Wunderatsch, Bezirksvorsitzender des Bayerischen Jagdverbandes aus Helmbrechts. Ein auf Initiative seines Verbandes angelegtes Versuchsfeld bei Münchberg habe nicht nur sämtliche positiven Eigenschaften der Becherpflanze bestätigt, es habe sich auch gezeigt, dass Schwarzwild das Versuchsfeld gar nicht annimmt und kaum sichtbare Schäden hinterlässt. Wunderatsch führte dies auf die relativ rauen Blätter ("wie Sandpapier") zurück, die Wildschweine fernhielten. Mit dieser Pflanze könnten wir aufgrund ihrer hervorragenden Eigenschaften Ökologie und Ökonomie besser in Einklang bringen, so der Bezirksvorsitzende des Jagdverbandes.

Die Becherpflanze sei vor allem ein guter Ansatz, mehr Akzeptanz in der Bevölkerung zu erreichen, sagte MdL Gudrun Brendel-Fischer. Früher hätten die meisten Menschen allenfalls die vier wichtigsten Getreidesorten gekannt, heute sei die Sensibilität wesentlich größer. Vor allem aus Gründen der Wirtschaftlichkeit würden sich die Alternativen zum Mais wohl nicht so schnell durchsetzen. Wenn aber mehr Projekte wie in Münchberg oder Bayreuth sichtbar werden, dann könnten die alternativen Energiepflanzen auch auf eine breitere Basis gestellt werden.
Eher skeptisch sah der oberfränkische BBV-Präsident Hermann Greif, selbst Betreiber eine Biogasanlage, die Diskussion um alternative Energiepflanzen. Letztlich müsse eine solche Pflanze betriebswirtschaftlich mithalten können und das sei derzeit noch nicht der Fall, da der Ertrag gegenüber Mais nur bei rund 60 bis 70 Prozent liege. Greif appellierte deshalb an die Politik, die entsprechende Forschung weiter zu fördern und entsprechende Projekte wissenschaftlich zu begleiten.

"Landwirte sind Naturschützer, müssen aber auch betriebswirtschaftliche Ziele vor Augen haben": Die Bezirksvorsitzende des Verbandes für Gartenbau und Landespflege Gudrun Brendel-Fischer mit dem oberfränkischen BBV-Präsidenten Hermann Greif (Mitte) und dem Kulmbacher Kreisobmann Hermann Löwinger.